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Programmübersicht: Wege - Kreuzungen - Wendepunkte

Hier findet Ihr Ausschnitte aus dem Programm der MinD-Akademie 2016. Solltet Ihr Fragen zum Programm haben, schreibt an programm [at] mind-akademie [dot] de.

Dr. Maren Emmerich Vortrag
Eine Reise zu den Wurzeln des Yoga

Yoga ist ein Lebensstil, der aus fünf Elementen besteht: physische Übungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama), vegetarische Ernährung, effektive Entspannung und Meditation. In meinem Vortrag möchte ich euch einen Einblick geben über die historischen und philosophischen Wurzeln des Yoga in Indien und über die vielen Richtungen, in die sich diese Tradition im Westen entwickelt hat.

Im Jahr 2009 habe ich während einer sehr stressigen und turbulenten Phase in meinem Leben begonnen, mehrmals pro Woche Yoga zu praktizieren. Ich war tief beeindruckt von dem Maß an innerer Ruhe und Gelassenheit, die dieses neue Hobby meinem Leben verlieh. Das inspirierte mich, mehr darüber erfahren zu wollen, wie die Methoden des Yoga in der Lage sind, solch eine gewaltige Wirkung zu entfalten und wo sie herkommen. Daher machte ich mich auf nach Indien, wo ich Anfang 2012 eine Yogalehrerausbildung absolvierte.

Dr. Maren Emmerich Workshop
Yoga - Einführungsworkshop

In dem Workshop werde ich meine persönliche Mischung aus klassischem Hatha und dynamischem Flow Yoga unterrichten. Personen, die noch nie Yoga praktiziert haben, sind ebenso willkommen wie Leute mit Yogaerfahrung.

Im Jahr 2009 habe ich während einer sehr stressigen und turbulenten Phase in meinem Leben begonnen, mehrmals pro Woche Yoga zu praktizieren. Ich war tief beeindruckt von dem Maß an innerer Ruhe und Gelassenheit, die dieses neue Hobby meinem Leben verlieh. Das inspirierte mich, mehr darüber erfahren zu wollen, wie die Methoden des Yoga in der Lage sind, solch eine gewaltige Wirkung zu entfalten und wo sie herkommen. Daher machte ich mich auf nach Indien, wo ich Anfang 2012 eine Yogalehrerausbildung absolvierte.

Dr. Gilda Giebel Vortrag
Wege der Partnerwahl - die Attraktion von Dominanz

Der Erfolg der Roman-Trilogie „Fifty Shades of Grey“ zeigt, dass männliche Dominanz auf einige Frauen eine starke Faszination ausübt. Blättert man aktuelle Magazine durch, so könnte man den Eindruck bekommen, je dominanter und maskuliner ein männlicher Auftritt ist, desto mehr Damen liegen ihm zu Füßen. Aber ist das wirklich so? Gilda Giebel untersuchte in ihrer Dissertation zahlreiche Aspekte der männlichen Dominanz unter anderem auch die Paarbeziehungen von Frauen, die mit einem inhaftierten Straftäter liiert sind. Sie berichtet in ihrem Vortrag davon, welche Personen sich besonders zu dominanten Partnern hingezogen fühlen, für welche Art der Beziehung Frauen dominante Partner bevorzugen und warum sich manche Frauen zu extremen Formen männlicher Dominanz, im Besonderen zu inhaftierten Straftätern, hingezogen fühlen.

Gilda Giebel studierte Psychologie und im Nebenfach Religionswissenschaft an den Universitäten Erfurt und Konstanz. Von 2010 bis 2013 arbeitete sie als Akademische Mitarbeiterin in dem DFG-Projekt „Psychobiologie menschlicher Gewalt- und Tötungsbereitschaft“ an der Universität Konstanz an den Lehrstühlen Klinische Psychologie und Klinische Neuropsychologie. Sie promovierte dort zum Thema „Partnerpräferenzen von Frauen – die Rolle männlicher Dominanz“ und untersuchte dabei unter anderem die Paarbeziehungen von Frauen, die mit einem inhaftierten Straftäter liiert sind. Seit Oktober 2013 ist Gilda Giebel Akademische Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Forensische Psychologie an der Universität Konstanz und arbeitet in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt Tat- und Fallanalysen hochexpressiver zielgerichteter Gewalt (TARGET). Sie erforscht dort die Motive und Eigenschaften junger Amoktäter.

Dipl.-Psych. Henriette Greischel Vortrag
Anderes Land, andere Leute, anderer Mensch? Bedingungen und Wirkung schulischer Auslandsaufenthalte

Internationale Mobilität ist in den letzten Jahrzehnten zu einem zentralen Lebensbestandteil junger Menschen geworden, der zahlreiche Veränderungen und Herausforderungen mit sich bringen kann. Trotz der zunehmenden Popularität schulischer Auslandsaufenthalte wurden Bedingungen und Wirkungen dieser Lebenserfahrungen in der psychologischen Forschung bislang nur wenig beachtet. Wie wirkt sich ein einjähriger Auslandsaufenthalt an einer Gastschule auf die Schülerinnen und Schüler aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Längsschnittstudie PIRATS (Personality, Identity, and Relationship Experiences in Adolescent Trajectories) der Universität Jena. Im Rahmen eines prospektiven Kontrollgruppendesigns wurden 741 Schülerinnen und Schüler (etwa zwei Drittel nahmen an einem Schüleraustausch teil) im Alter von 14 bis 17 Jahren über 18 Monate hinweg mittels Online-Fragebögen zu fünf Messzeitpunkten befragt. Im Rahmen des Vortrags werden ausgewählte Ergebnisse zur Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung (u.a. Greischel, Noack & Neyer, 2016) im Kontext internationaler Mobilitätserfahrungen präsentiert und die Frage „Wird man im Ausland ein anderer Mensch?“ aus psychologischer Perspektive erörtert.
Greischel, H., Noack, P. & Neyer, F. J. (2016). Sailing uncharted waters: Adolescent personality development and social relationship experiences during a year abroad. Journal of Youth and Adolescence. doi: 10.1007/s10964-016-0479-1

Henriette Greischel ist Diplom-Psychologin und seit 2013 leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin im PIRATS Projekt (Personality, Identity, and Relationship Experiences in Adolescent Trajectories) der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Nach dem Studium in Leipzig und Binghamton/New York promoviert sie derzeit am Lehrstuhl für Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik der FSU Jena bei Franz J. Neyer. Ihre Forschungsinteressen umfassen unter anderem Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung im Jugendalter sowie die Entwicklung persönlicher sozialer Netzwerke.

Tobias Günther Vortrag
Der digitale Wandel: 3D Modellierung & 3D Printing

Der 3D-Druck ist zurzeit noch eine Nischentechnologie, bietet aber die Herstellung individueller Produkte und damit einen höheren Nutzen für den User. In geschätzten 1-2 Jahren wird die Landschaft um Anwendungen erweitert, die es den Menschen ermöglichen, 3D-Modelle mit Hilfe von 3D-Konfiguratoren zu designen und in einem Material der Wahl beim Copy-Shop um die Ecke auszudrucken. Ich werde in meinem Vortrag einen Entwurf der benötigten Fähigkeiten, Prozesse und Technologien vorstellen.

Seit 2014 Professor für Wirtschaftsinformatik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Seit 2009 Geschäftsführer der Elaspix Unternehmergesellschaft „3D-Produktkonfiguratoren“. Seit 2005 ehrenamtliche Tätigkeit als Schiedsrichter und Jurymitglied bei der First-Lego-League und Robocup Dance. 2005-2009 Dozent für Informatik und Robotik Hochbegabtenförderung e.V. 2008 Recommind GmbH, Software-Entwickler Bereich Dokumentenverarbeitung, Rheinbach. 2004-2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promotion: Data mining in diagnostic charts and treatment outcome prediction for Vision Restoration Therapy, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg. 2004 Diplomarbeit: Modeling and Parametrisation of Neuromorphic Vision Sensors in an ODE-driven Simulation Environment, Fraunhofer Gesellschaft, Institut für Autonome Intelligente Systeme, Sankt Augustin.

Dr. Markus Gyger Vortrag
Storytelling - Wie bringe ich meine Geschichte spannend auf den Punkt?

Geschichtenerzählen ist weit mehr als die abendliche Vorlesestunde mit unseren Kindern; das ganze Leben besteht aus Geschichten. Das Marketing hat schon vor einiger Zeit das „Storytelling“ als wirksame Werbemethode gefunden, aber auch im Privatleben und im Beruf hilft es ungemein, wenn man Inhalte spannend und überzeugend auf den Punkt bringen kann. Besonders dann, wenn es gilt, jemanden von einer Idee zu überzeugen: Meinen Chef von meinem neuen Konzept, meinen Traumarbeitgeber, dass ich der Richtige für die Stelle bin oder Freunde, dass mein Urlaub wirklich toll war. Was braucht eine gute Geschichte? Wie erzeuge ich einen Spannungsbogen? Welchen Einfluss hat das richtige Timing? In diesem Vortrag wird eine sehr einfache Struktur für gute Geschichten vorgestellt und mit Beispielen aus unterschiedlichen Kontexten auf Herz und Nieren geprüft.

Dr. Markus Gyger ist promovierter Biophysiker und arbeitet als freiberuflicher Trainer und Coach. Als solcher vermittelt er Berufseinsteigern und Nachwuchswissenschaftlern die nötigen Soft Skills für einen erfolgreichen Start in ihre Karriere. Seine Themengebiete reichen von Präsentationstechniken und Kommunikation über Projektmanagement bis zu Improvisationstheater-Techniken für den Wissenschafts- und Berufsalltag. Bei der MinD-Akademie ist er seit 2007 jedes Mal dabei gewesen und hat regelmäßig Workshops, Vorträge und Moderationen beigetragen und im Programmteam mitgewirkt.
Mehr Informationen unter: www.gyger-training.de

Bianca Hanke Vortrag
Reproduktion bei Haussäugetieren - let me tell you about the birds and the bees...

Wie funktioniert Fortpflanzung grundsätzlich? - Weiß ich, denken die meisten. Neben den Basics der Säugetiervermehrung soll es im Vortrag aber auch um die Formen moderner Tierzucht und -vermehrung gehen. Außerdem gibt es ein paar Kuriositäten und Fun Facts aus der Tierwelt. Was steckt hinter induzierter Ovulation und Ferkelproduktion, warum leiden Cavalier King Charles Spaniel unter Kopfschmerzen und was hat der Mensch damit zu tun?

Bianca Hanke, 1988 geboren in Hamburg, studierte von 2007 bis 2013 Veterinärmedizin in Hannover. Direkt im Anschluss startete die externe Dissertation in Göttingen und Hannover. Schwerpunktmäßig befasst sie sich in ihrer Arbeit mit Trächtigkeits-assoziierten Glykoproteinen bei Schafen und Ziegen. Die Reproduktionsbiologie und -medizin war immer eine Hassliebe und das Antreten der Dissertation in diesem Fachgebiet mindestens ironisch. Wenn sie nicht gerade herumdoktert, frönt sie der (selbstgemachten) Musik und dem Sport, von Tanzen bis Wassersport.

Dr. Sebastian Harrach Vortrag
Einführung in das Natural Language Processing am Beispiel der Multidokumentzusammenfassung

Intensive Recherche ist heute für viele Tätigkeiten unerlässlich und unterliegt meist sehr engen Zeitvorgaben. Insbesondere bei Entscheidungsprozessen hat die Qualität der Rechercheergebnisse weitreichende Konsequenzen. Zugleich explodiert die Menge verfügbarer Dokumente und gerade elektronische Quellen werden immer komplexer, sind hochgradig heterogen und weisen eine sehr unterschiedliche Informationsqualität auf.
In diesem Vortrag wird es darum gehen, eine Einführung in das Natural Language Processing (=die Verarbeitung von natürlichsprachlichen Texten) zu geben. Es wird am Beispiel der Multidokumentzusammenfassung beschrieben, was die entsprechenden Technologien leisten können und sollen und an welchen Problemen aktuell geforscht wird. Die Frage, die im Zentrum stehen wird, ist: wie kann man aus heterogenen Textquellen mittels automatisierter Methoden strukturiertes Wissen extrahieren und aus diesem ein informatives und stilistisch homogenes Dossier aufbereiten.

Dr. Sebastian Harrach arbeitete zunächst als Unternehmensberater und promovierte anschließend in Technikphilosophie zu Machine Learning. Heute ist er an der TU Darmstadt als akademischer Geschäftsführer am Ubiquitous Knowledge Processing (UKP) Lab tätig. Das UKP beschäftigt sich ausschließlich mit Natural Language Processing, der Verarbeitung textuell vorliegender Sprache.

PD Dr. Oliver Herbort Vortrag
Die erstaunliche Komplexität alltäglicher Bewegungen: Eine Herausforderung für unser Gehirn

Wir bewundern Menschen, die ihren Körper und ihre Bewegungen virtuos beherrschen. Wir sind fasziniert von Lionel Messis Fussballakrobatik, den spektakulären Stunts und Kämpfen von Bruce Lee oder Jackie Chan und der Perfektion von Pianisten wie Lang Lang. Allerdings steckt auch in unseren alltäglichen Bewegungen eine unglaubliche Komplexität. Jedes Mal, wenn wir etwa unser Smartphone benutzen oder eine Tasse greifen, muss unser Gehirn eine Reihe von komplizierten Problemen lösen. Dies geschieht größtenteils unbewusst und mit bemerkenswerter Effizienz. So reagieren wir blitzschnell (und erstaunlich clever) auf Veränderungen in der Umwelt und erweitern unseren Bewegungsspielraum stets durch vorausschauendes Handeln. Diese raffinierten Prozesse, die alltägliche Handlungen erst ermöglichen, unterstützen aber auch höhere kognitive Fähigkeiten und erlauben es so zum Beispiel, die Intentionen anderer zu verstehen.

Oliver Herbort forscht und lehrt am Lehrstuhl für kognitive Psychologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Er untersucht die Prozesse der Planung und Kontrolle zielgerichteter Bewegungen mit Hilfe von Experimenten und Computermodellen.

Prof. Dr. Thomas Junker Vortrag
Die Evolution der Phantasie: Warum wir ohne Kunst nicht leben können

Kinder singen und tanzen, sie malen Bilder und erzählen Geschichten – und sie tun dies freiwillig, mit großer Ernsthaftigkeit und mit Freude. Als Erwachsene führen sie ihre Spiele dann oft fort und wenn sie einem Publikum gefallen und vor der Kritik bestehen können, nennen wir sie Kunst. All dies ist so vertraut, dass man leicht übersieht, wie ungewöhnlich dieses Verhalten aus biologischer Sicht ist. Warum sind die künstlerischen Talente und Interessen in der Evolution entstanden? Haben sie einen direkten Nutzen für das Überleben oder entstanden sie als entbehrlicher Nebeneffekt? Sind es kulturelle Erfindungen oder reine Lusttechnologien? Und was bedeutet dies für die Zukunft der Kunst? Denn Evolution ist Wandel: Verhaltensweisen entstehen, verändern sich und können wieder verschwinden. Der Vortrag wird schildern, wie Evolutionsbiologen die Rätsel der Kunst zu lösen versuchen und ein neues Modell vorstellen.

Prof. Dr. Thomas Junker lehrt Geschichte der Biowissenschaften an der Universität Tübingen. Von 1992-1995 war er Mitherausgeber von Charles Darwins Briefwechsel in Cambridge (England) und Postdoc bei Ernst Mayr am Department of the History of Science der Harvard University. Er hat zahlreiche Bücher und Artikel zur Geschichte und Theorie der Evolutionsbiologie und Anthropologie veröffentlicht. Aktuelle Publikation: Thomas Junker. Die Evolution der Phantasie: Wie der Mensch zum Künstler wurde. Stuttgart: S. Hirzel, 2013.

Prof. Dr. Raffael Kalisch Vortrag
Resilienz

„Resilienz“ ist dabei, eine ähnliche Karriere in den großen Publikumsmedien und in der Ratgeberliteratur zu machen wie vormals „Stress“, „Burnout“ oder „Depression“. Gleichzeitig floriert eine Seminar- und Coaching-Szene, deren Protagonisten versprechen, uns widerstandsfähiger gegen Belastungen und fit für unseren stressigen Alltag zu machen. Große Firmen wittern die Chance zum Abbau von Krankheitstagen und zum noch effizienteren Einsatz von Mitarbeiter/innen. Was steckt dahinter? In der Veranstaltung wird der Resilienzbegriff aus wissenschaftlicher Perspektive beleuchtet; gesicherte Erkenntnisse und neueste Forschungsansätze - auch aus der Neurobiologie - werden vorgestellt. Resilienz, richtig verstanden und seriös beforscht, bietet ein neues, vielversprechendes Paradigma für die Verbesserung der mentalen Gesundheit und der Lebensqualität der Bevölkerung, mit zahlreichen Anknüpfungspunkten zur eigenen Lebensbewältigung.

Studium der Humanbiologie in Marburg und Paris. Doktorarbeit im Bereich der Hochfeld-Bildgebung an einem Tiermodell der Angst am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Postdoktorand am Functional Imaging Laboratory (FIL) des Wellcome Departments for Neuroimaging, University College London. Leiter einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe der DFG am Institut für Systemische Neurowissenschaften des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Professor für Human Neuroimaging und Leiter des Neuroimaging Center (NIC) an der Universitätsmedizin Mainz. Gründungsmitglied des Deutschen Resilienz-Zentrums Mainz (DRZ), Sprecher der International Resilience Alliance intresa.

Dr. Claudia Langosch Vortrag
Irrwege sind auch Wege?!

Wohin will ich gehen? Was will ich in meinem Leben erreichen? Soll ich das machen, was mir Spaß macht? Oder lieber das, von dem alle sagen, dass es Geld bringt? Ob es um den Studienplatz nach dem Abitur, eine Spezialisierung im Studium oder einen Karriereweg im Berufsleben geht - die meisten von uns müssen sich irgendwann festlegen. Doch wie kann ich eine gute Entscheidung treffen? Mit dem Kopf? Oder doch lieber aus dem Bauch heraus? Um diese für unser Leben und unsere Entscheidungen wichtigen Fragen geht es in dem interaktiven Vortrag. Er untersucht, welche Antworten auf diese Fragen die Philosophie, Psychologie und Soziologie geben. In einem zweiten Teil werden die TeilnehmerInnen selbst aktiv und erarbeiten ihre eigenen Antworten.

Dr. Claudia Langosch studierte Sprechwissenschaften in Halle und promovierte über Predigtrhetorik im 18. Jahrhundert. Seit ihrem Studium ist sie als Trainerin und Dozentin in Kommunikations- und Rhetoriktrainings tätig. In einem Projekt zur Förderung von Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft begleitete sie Studentinnen auf der Suche nach einem Arbeitsplatz oder einer Promotionsstelle. Während ihrer Tätigkeit bei der Kabel Deutschland Kundenbetreuung GmbH unterstützte sie Manager bei der Suche nach ihrem Karriereweg. Seit 2015 ist Dr. Claudia Langosch selbständig als Trainerin und Coach tätig.

Prof. Dr. Barbara Mertins Vortrag
Wie Sprache unsere Weltsicht bestimmt

Wie hängen Sprache und Denken zusammen? Werden unsere Gedanken von sprachlichen Strukturen unserer Muttersprache mitgeformt oder gar determiniert? Oder sollen wir eher davon ausgehen, dass unsere Gedanken von Sprache unabhängig sind, sprich als eine wortlose Gedankensprache zu betrachten sind, die erst durch Kommunikation in eine konkrete (sprachspezifische) Wortabfolge übersetzt wird? Die Erforschung dieser Fragen hat eine lange Tradition in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, die zwischen Linguistik, Anthropologie, Psychologie, Philosophie und in letzter Zeit auch Psycholinguistik und Kognitionswissenschaft angesiedelt sind. Es soll betont werden, dass es trotz der langjährigen, intensiven und zunehmend interdisziplinär angelegten Untersuchungen zur Beziehung von Sprache und Denken keinen Konsensus unter den Wissenschaftlern darüber gibt, wie Sprache und Denken zusammenhängen. In diesem Beitrag wird die Position vertreten, dass die Struktur bzw. die Grammatik unserer Muttersprache entscheidend dafür ist, wie Informationen visuell aufgenommen, verarbeitet und in Sprache umgesetzt werden. Es werden empirisch gestützte Daten aus linguistischen sowie Blickbewegungs- und Gedächtnisstudien präsentiert. Die Ergebnisse der Studien zeigen eindeutig, dass in Verbindung mit sprachlichen Präferenzen auch visuelle Aufmerksamkeitsstrukturen sowie Erinnerungsvermögen variieren. Mit anderen Worten, die Muster des Blickbewegungsverhaltens bestätigen die in der sprachlichen Darstellung beobachteten Kontraste.

Prof. Dr. Barbara Mertins ist seit August 2015 Professorin für Linguistik des Deutschen mit dem Schwerpunkt empirische und experimentelle Linguistik am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der TU Dortmund. Der Schwerpunkt ihrer Forschung liegt auf psycholinguistischen Themen: Sie forscht zum Zusammenhang zwischen sprachlichen Strukturen, mentalen Prozessen und der Art und Weise, wie vor allem grammatisches Wissen verarbeitet und repräsentiert wird. Dabei interessiert sie sich insbesondere für die Sprachproduktion von bilingualen und multilingualen Sprechern sowie für verschiedene Sprachstörungen, z.B. Aphasie. In ihrer Vorgehensweise verwendet Frau Mertins vorwiegend experimentell ausgerichtete Techniken der chronometrischen Datenerfassung und Blickbewegungsaufnahmen (Eye-Tracking). Nach dem Studium der Sprachwissenschaft (mit Schwerpunkt Neurolinguistik), Philosophie und deutschen Literatur an den Universitäten Prag, Freiburg im Breisgau, Basel und Strasbourg forschte die gebürtige Tschechin am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen und wurde 2004 von der Radboud Universität Nijmegen mit einer Arbeit über den Ausdruck der Simultanität im Zweitspracherwerb promoviert. Von 2005 bis 2014 forschte und lehrte sie an der Universität Heidelberg am Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie. Im Dezember 2012 habilitierte sie zum Thema Sprache und Kognition an der Neuphilologischen Fakultät der Universität Heidelberg. Für ihre Arbeiten wurde sie 2007 mit dem Klaus-Georg und Sigrid Hengstberger Preis für exzellente Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Im akademischen Jahr 2010-2011 forschte sie innerhalb einer von Cathrine Fabricius Hansen eingeladenen Gruppe am renommierten Center for Advanced Study an der Norwegischen Akademie der Wissenschaften in Oslo. Für ihre Lehre wurde sie im Jahre 2010 von der Fachschaft des Instituts für Deutsch als Fremdsprachenphilologie der Universität Heidelberg für den Ars-Legendi-Preis für exzellente Hochschullehre in den Geisteswissenschaften nominiert. Frau Mertins ist verheiratet und hat zwei bilingual aufwachsende Kinder.

Andreas Oberdorf Vortrag
Transatlantische "Bildungsräume" im 18. Jahrhundert

Das bildungsgeschichtliche Konzept der „Bildungsräume“ zielt darauf ab, jene historischen Räume des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts zu beschreiben, die sich durch Transfer- und Austauschvorgänge (von Personen, Ideen, Konzepten, Waren, Medien) sowie durch Netzwerkbildung auch über große Distanzen hinweg entwickeln konnten. Dabei geht es weniger darum, die Weitläufigkeit der Ideen als vielmehr die Dynamik und Qualität der jeweiligen Transfer- und Austauschbeziehungen zu erfassen. Bestimmte Wege, Kreuzungen und Wendepunkte, Kollisionen mit anderen Ideen und Überzeugungen konnten einerseits neue Impulse bedeuten, andererseits aber auch unüberwindbare Hindernisse darstellen. In dem Vortrag soll dies anhand ausgewählter Beispiele aus der deutsch-amerikanischen (Transfer-)Geschichte des späten 18. Jahrhunderts veranschaulicht und diskutiert werden.

Andreas Oberdorf ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der „Arbeitsstelle für Deutsch-Amerikanische Bildungsgeschichte“ der Uni Münster und promoviert dort im Fach Erziehungswissenschaft, Historische Bildungsforschung. Mit seiner Dissertationsschrift arbeitet er über die „Katholische Aufklärung“ und thematisiert dort - transfergeschichtlich - das Wirken des Priesters und Missionars Demetrius Augustinus von Gallitzin (1770-1840), der aus Münster stammte und ab 1792 in Pennsylvania wirkte. Das Promotionsvorhaben wird seit 2016 von der Gerda Henkel Stiftung gefördert; weitere Stipendien (DAAD, DHI) ermöglichten ihm bereits Kongress- und Forschungsreisen in den USA. Seine Lehrtätigkeit an der Uni Münster umfasst die Bildungsgeschichte des 18. Jahrhunderts, insbesondere die Pädagogik der Aufklärung.

Dr. Alexander Pundt Vortrag
Humor - Ein Weg für die Führung?

Humor spielt im Alltag vieler Menschen eine große Rolle - wissenschaftlich ist er jedoch schwer zu fassen. In zwischenmenschlichen Beziehungen dient Humor vor allem als Eisbrecher – sei es beim Anbahnen von Beziehungen oder auch um Spannungen, Konflikte oder Beziehungsprobleme zu lösen. Fraglich ist jedoch, ob Humor auch im eher seriös wirkenden Arbeitsleben eine Rolle spielen kann – nicht umsonst spricht man hier häufig vom „Ernst des Lebens“. Speziell Führungskräfte stehen häufig vor der Frage, ob sie Humor bei der Führung einsetzen sollten oder lieber nicht. In Comedy-Serien wie z.B. Stromberg finden sich im Hinblick auf Humor in der Führung nicht gerade leuchtende Vorbilder, und auch die Ratgeber sind sich in dieser Hinsicht nicht einig und stiften mehr Verwirrung als dass sie aufklären. Im Vortrag versuche ich, die Rolle von Humor in der Führung greifbar zu machen, gehe dabei auf aktuelle Erkenntnisse der (nicht immer nur lustigen) sozial- und organisationspsychologischen Humorforschung ein und stelle auch eigene Arbeiten speziell zum Humor in der Führung vor. Speziell geht es mir dabei um die Frage, welche Konsequenzen Humor in der Führung haben kann, wofür er nützlich oder auch schädlich ist und welche Bedingungen dafür erfüllt sein müssen.

Dr. Alexander Pundt ist Arbeits- und Organisationspsychologe und arbeitet derzeit an der Universität Mannheim an seiner Habilitation. Er ist in Mecklenburg aufgewachsen, hat 1997 bis 2003 an der Universität Leipzig studiert und wurde 2010 an der Universität Rostock zum Dr. rer. pol. promoviert. Neben Humor beschäftigt er sich in seiner Forschung allgemein mit dem Verhalten von Führungskräften, mit Gesundheit und Wohlbefinden in Organisationen sowie mit Kreativität und Innovation in Organisationen.

Dr. Felix Schönbrodt Vortrag
Open Science als Antwort auf die Replikationskrise in der Wissenschaft

Karrieren von Forschern beruhen auf Publikationen, und die bisherigen Anreizstrukturen bevorzugten überraschende, neuartige Befunde mit p<.05. Groß angelegte Replikationsprojekte der letzten 3 Jahre zeigten jedoch, dass mehr als die Hälfte der Befunde nicht replizierbar ist. Dies führte einerseits zu einer Glaubwürdigkeitskrise – „Welchem Ergebnis können wir noch trauen?“. Andererseits hat sich in den letzten Jahren bereits viel in Richtung „open science“ bewegt (z.B. die TOP-Richtlinien oder die Open-Science-Badges), und auch die Wissenschaftsorganisationen wie DFG oder die EU-Förderprogramme gehen entschieden in diese Richtung. Ich möchte in dem Vortrag drei Aspekte dieser neuen Entwicklungen beleuchten:
a) Wie schlimm ist es? Ein Überblick über die Geschichte und den neuesten Stand der aktuellen Glaubwürdigkeitskrise, mit Fokus auf die aktuelle Glaubwürdigkeitskrise in der Psychologie
b) Diagnostische Tools um Publikationsbias und p-hacking aufzudecken
c) Wie machen wir jetzt weiter? Wege aus der Krise, mit Implikationen für Lehre, Dissertationen, Berufungen, tenure-track, Statistik, und Journal-Richtlinien
Ich werde u.a. unsere Selbstverpflichtung zu Forschungstransparenz vorstellen, und einen Einblick in die Arbeit unseres neu gegründeten Open-Science-Komitees geben.

Felix Schönbrodt ist akademischer Rat am Department Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er studierte Psychologie in Saarbrücken, promovierte 2010 an der HU Berlin zum Dr. rer. nat. und ist seit 2014 habilitierter Privatdozent an der LMU München. Seine Forschungsinteressen beinhalten implizite und explizite Motive, quantitative Methoden, Datenvisualisierungen, und Themen um „Open Science“ und die Replizierbarkeit von Forschung. Felix Schönbrodt ist auch der Initiator des „Voluntary Commitment for Research Transparency“ (http://www.researchtransparency.org/). Ein besonderer Schwerpunkt ist die Programmierung von statistischen Paketen für die freie Software R und von interaktiven statistischen Web-Apps (http://www.shinyapps.org), die in der Lehre und für ein vertieftes Verständnis von quantitativen Methoden verwendet werden können. Ein Blog befindet sich auf seiner Webseite http://www.nicebread.de.

Assessor Iuris Kirimo Velasco Workshop
Methodenkoffer Kommunikation: Effektivere Kommunikation durch konstruktive Kritik

In beruflichen und privaten, vorbereiteten und alltäglichen Gesprächen fällt einem immer wieder auf, dass die Kommunikation nicht wie vorgestellt funktioniert. Insbesondere wenn Kritik geäußert wird, verlieren Gespräche oftmals die gewünschte Richtung und driften vom Sachbezug weg auf die persönliche Ebene. Ein wichtiger Aspekt guter Kommunikation ist deshalb das Äußern von Kritik in einer Weise, dass diese das Gespräch konstruktiv stützt und den gewünschten Fokus beibehält. Dieser konstruktiven Kritik widmen wir uns in diesem Workshop, indem wir mit verschiedenen Gesprächsformeln arbeiten, die alle denselben Zweck verfolgen: Die zu äußernde Kritik derart in das Gespräch zu integrieren, dass sie vom Gegenüber angenommen wird.

Kirimo Velasco, Assessor Iuris, ist - nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Bonn und Barcelona sowie dem Rechtsreferendariat am Landgericht Bonn - seit März 2016 Volljurist. Neben dem juristischen Schwerpunkt im Wirtschaftsrecht liegen weitere seiner Interessensschwerpunkte in den Bereichen Kommunikation und Konfliktlösung. So ist er seit 2014 ausgebildeter Mediator, insbesondere für Wirtschaftsmediationen. Seit 2015 ist er Seminarleiter, Coach und Teil eines Trainerteams, das in einem Konzern sowie mehreren Unternehmen unter anderem Führungskräfte in Tagesseminaren zu der „Leistungssteigerung durch konstruktive Kritik“ oder dem Thema „Mitarbeiter nachhaltig motivieren“ schult.

Johanna Fee Ziemes Vortrag
Trans*Identität und die Suche nach dem Selbst

Noch heute wird Transsexualität vom ICD-10 (dem Diagnosesystem der WHO) als Krankheit der Psyche definiert. Alle von Klient*innen gewünschten Behandlungen beziehen sich auf den Körper, eine moderne Therapie unterstützt Betroffene auf ihrem Weg, auf dem es gilt, den eigenen Körper neu kennenzulernen, soziale Kontakte von Grund auf neu aufzubauen, mit Anfeindungen zurechtzukommen und nicht zuletzt mit dem Verlust früher geschätzter sozialer Kontakte. Warum begeben sich Menschen auf diesen Weg, der gespickt ist mit Gutachtern, Gerichtsterminen, und Einsamkeit? Fachliche und persönliche Perspektiven.

Johanna Fee Ziemes (*1987) ist Psychologin und untersucht Identitätsentwicklung bei Minoritäten und Jugendlichen.

Johanna Fee Ziemes Workshop
Identität*en - eine Suche

Wer soll ich sein? Wer möchte ich sein? Wer bin ich? Insbesondere für Menschen, die aus der sogenannten "Norm" fallen, können diese Fragen eine bissige Dringlichkeit haben. Die Gesellschaft erwartet bestimmte Entwicklungsmuster und Verhaltensweisen und an jeder Ecke warten Reglementierer*innen, die jedes Abweichen vom teilweise unausgesprochenen Kodex sanktionieren. In diesem Klima der Kontrolle kann die Suche nach der eigenen Persönlichkeit beschwerlich sein. Dieser Workshop soll Suchende unterstützen, sich zu orientieren und den eigenen Weg besser zu finden.

Johanna Fee Ziemes (*1987) ist systemische Beraterin und Psychologin. Sie beforscht Fragen der Identitätsentwicklung bei Minoritäten und Jugendlichen.